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Leseprobe
Alte Gebäude atmen Geschichte. Sie erzählen indessen nicht nur von der Epoche ihrer Entstehung, den Ideen ihrer Architekten oder dem Wandel der Zeiten. Die Geschichte ihrer Bewohner und Gäste ist in solchen Gebäuden oft ebenso lebendig – wenn auch nicht immer auf den ersten Blick erkennbar. Doch bei einer Sanierung findet man häufig noch Zeugnisse davon: verschiedene Tapetenschichten, alte Bilder, Spuren der Abnutzung, vielleicht sogar ein durchgesessenes Sofa. Eventuell existieren sogar noch alte Fotos von Festlichkeiten und ein Rundgang wird zur spannenden Spurensuche: Hier fand damals dieser Ball statt, dort jener Empfang.
Was aber erzählt ein Gebäude, das bereits kurz nach der Eröffnung beschädigt und wieder geschlossen wurde? Von dem überhaupt nur ein Flügel je genutzt wurde, während die prachtvollen Empfangs- und Festsäle nie eröffnet wurden und in den Privatgemächern nie jemand gewohnt oder geschlafen hat?
Die Entstehung jenes Gebäudes schien von Anfang an unter keinem guten Stern zu stehen: Denn die italienische Botschaft in Berlin, erbaut 1938 bis 1942 von Friedrich Hetzelt, wurde nie ganz fertiggestellt und vollständig bezogen, dafür drei Jahre später, gegen Kriegsende, bombardiert und schon wieder geschlossen. Das klingt nach einer traurigen Geschichte. Doch sie hat nun ein spätes, kaum noch erwartetes glückliches Ende gefunden. Seit 2000 hat man das Gebäude nach Plänen des Architekten Vittorio De Feo rekonstruiert und ergänzt. Ende Juni 2003 wird die umgebaute Botschaft offiziell eröffnet, der große Festsaal erstmals benutzt, die Botschafterräume endlich bezogen – 65 Jahre nach Baubeginn.
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